Säule des Sozialsystems

100 Jahre Hauptfürsorgestellen

Alles beginnt im Winter 1919. Der Erste Weltkrieg ist gerade erst vorbei. Eine halbe Million Kriegsbeschädigte und unzählige Kriegswaisen und -witwen stehen vor einer sozialen Notlage. Die ersten staatlichen Hauptfürsorgestellen entstehen.

Festakt in Berlin

Diese Geburtsstunde würdigte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) mit einem Festakt am 7. Februar in Berlin. „Vor genau 100 Jahren wurde ein wichtiger Baustein für unser heutiges Sozialsystem gelegt“, so BIH-Vorsitzender Christoph Beyer. Um 16 Uhr eröffnete er die Feier in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin Kreuzberg. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren erschienen. Es ging um Inklusion und Demokratie, um die Teilhabe am Arbeitsleben und ja, auch um die Fürsorge als gesellschaftliche Aufgabe.

Ein Blick zurück

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg bestand die Aufgabe der Hauptfürsorgestellen darin, die Kriegsbeschädigten im medizinischen Bereich und bei der Wiedereingliederung in Arbeit zu unterstützen. Hinterbliebene waren sozial abzusichern. In den vergangenen 100 Jahren haben sich ihre Aufgabenbereiche verändert. Neue Gesetze für weitere Zielgruppen wurden erlassen, haben die Arbeit der Hauptfürsorgestellen geprägt und vorangetrieben.

Im Jahr 1920 nahmen die ersten Interessenvertretungen der schwerbeschädigten Beschäftigten ihre Arbeit auf. Hinzu kam die Grundlage für einen besonderen Kündigungsschutz. Mit dem Gesetz zur Beschäftigung Schwerbeschädigter, das 1953 in Kraft trat, mussten Arbeitgeber erstmals eine Ausgleichsabgabe abführen. Diese Einnahmen ermöglichten den Hauptfürsorgestellen neue Perspektiven, ihr Klientel gezielter zu unterstützen, z.B. durch technische Arbeitshilfen. Die größte Errungenschaft brachte das Jahr 1974: Das Schwerbehindertengesetz sichert seitdem schwerbehinderten Menschen einheitliche Rechte zu, unabhängig von der Ursache der Behinderung.

Seit Juli 2001 werden die Hauptfürsorgestellen durch die neu geschaffenen Integrationsämter unterstützt. Beide sind unter dem Dachverband der BIH angesiedelt. Die Hauptfürsorgestellen sind seither ausschließlich für die Kriegsopferfürsorge und andere Zielgruppen des sozialen Entschädigungsrechts wie Opfer von Gewalttaten zuständig, während die Integrationsämter die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben fördern.

Halt und Zuversicht für die Menschen

Auch heute entwickelt sich die Arbeit der Hauptfürsorgestellen stetig weiter. Aktuell geht es um die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und die Reform des sozialen Entschädigungsrechts. Auf dem Festakt gedenken die Gäste einer Institution, die vielen Menschen Halt und Zuversicht gegeben hat. Vieles hat sich verändert, aber eines ist geblieben: „Wer einmal bei uns im System aufgenommen wurde, sei es, weil er Gewalt durch Krieg oder Missbrauch erfahren hat, der bekommt von uns lebenslang Unterstützung“, so BIH-Geschäftsführerin Carola Fischer. Damals so wie heute steht für die Hauptfürsorgestellen der Mensch im Mittelpunkt.

Unter dem Dach der BIH

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) ist ein Zusammenschluss aller Hauptfürsorgestellen und Integrationsämter im Bundesgebiet sowie der Mehrheit der Versorgungsverwaltungen. Die BIH vertritt die Interessen ihrer Mitglieder bei der Weiterentwicklung des Behindertenrechts und des Sozialen Entschädigungsrechts beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, bei der Bundesagentur für Arbeit und in der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation.

 

Die Festschrift der BIH zeichnet die Geschichte dieser Institution von ihren Anfängen bis heute nach.

Festschrift 100 Jahre Hauptfürsorgestellen
Größe: 1,44 MB / Stand: 07.01.2019

 


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